Ausflug in die Unterwelt – Tauchen in Mexikos Cenoten

Auf Mexicos Halbinsel Yucatan gibt es ein einmaliges Höhlensystem mit unterirdischen Wasserläufen. Mehr als tausend Kilometer sind bislang erforscht. Durch Öffnungen im Erdboden bin ich in die Höhlen eingestiegen – und in ihnen getaucht. Deshalb weiß ich jetzt auch, was ein Halokline ist.

Yucatans Untergrund besteht aus einer Kalksteindecke, die an manchen Stellen eingestürzt ist. Cenote heißt so ein Loch, und Cenoten gibt es praktisch überall hier. Sie sind die Eingänge in eine einzigartige Unterwelt. Die Maya haben sie einst als Opferstätten genutzt. Heute sind sie bei Tauchern beliebt.

Von Tulum sind es knapp zwanzig Minuten Fahrt zur Cenote Calavera. Unsere Tauchgruppe besteht aus zwei Russen, einem Finnen und mir. Unser Guide heißt Vicky, sie ist Engländerin. Mehr als vier Taucher darf ein Führer nicht mitnehmen, das gehört zu den Sicherheitsmaßnahmen.

Ein kleiner Pfad führt vom Parkplatz hundert Meter in den Dschungel hinein. Das ist nicht lang, aber der Untergrund ist steinig, und jeder von uns trägt mehr als zwanzig Kilo Tauchausrüstung auf dem Rücken. Außerdem stecken wir in Neoprenanzügen, was bei dieser Hitze wirklich kein Spaß ist.

Calavera ist Spanisch für Totenschädel. Wenn man unter Wasser ist und nach oben guckt, zeichnet sich die Form eines Schädels ab mit zwei kleinen Löchern und einem großen von vielleicht acht Metern Durchmesser. Dieses große Loch ist unser Eingang.

Aber die Wasseroberfläche liegt gut zweieinhalb Meter tiefer. Ich pumpe mein Jacket voll Luft, damit ich nach dem Sprung gleich wieder aufschwimme und nicht direkt in der Tiefe versinke. Die Maske muss ich abnehmen, da sie mir sonst vom Kopf gerissen würde. Dann mache ich einen großen Schritt nach vorn.

Wir sammeln uns an der Wasseroberfläche, dann gibt Vicky das Kommando zum Abtauchen. Wir folgen ihr in kurzem Abstand.

In der Höhle sehe ich bizarre Gesteinsformationen. Felsenspitzen stehen wie Stacheln von Decke und Boden ab. Äste liegen im Wasser, und über uns bricht sich das Sonnenlicht. Fische gibt es kaum zu sehen. Es ist ein unwirklicher Ort.

Mit einem Mal verschwindet die klare Sicht. Es flimmert vor meinen Augen. Vicky, die direkt vor mir taucht, kann ich nur noch verschwommen sehen. Das ist also die Halokline. Hier treffen Süßwasser und Salzwasser aufeinander, aber sie mischen sich nicht. Das Salzwasser ist dichter und damit schwerer, deshalb schwimmt das Süßwasser oben auf. Süß- und Salzwasser haben unterschiedliche Brechungsindizes, was das Flimmern verursacht. Einen Meter tiefer haben wir schon wieder klare Sicht.

Um in den Cenoten zu tauchen, muss man kein Spezialist sein. Man braucht keine Ausbildung zum Höhlentaucher, solange man sich nicht zu weit hinein wagt. Man sollte immer noch Tageslicht sehen, um jederzeit wieder herausfinden zu können. Außerdem sind die Cenoten eigens für Taucher hergerichtet. Unter Wasser sind dünne Leinen gespannt, die den Weg weisen.

Die meisten Cenoten sind in privater Hand, und ihre Besitzer haben gerade die Eintrittspreise erhöht. Für die Gran Cenote verlangen sie jetzt 150 Pesos, etwa 12 Dollar. Yucatans Höhlen sind einzigartig, und die Besitzer der Cenoten wissen das. Mit den Tauchtouristen lässt sich ein gutes Geschäft machen.

Tipps für Euren Tauchgang in einer Cenote

Tauchen in den Cenoten ist leider nicht billig. Zum Eintrittspreis hinzu kommen die üblichen Kosten für Guide und Ausrüstung. In Tulum gibt es mehrere Dive Center, die im Grunde alle dasselbe Paket anbieten. Zwei Tauchgänge inklusive Guide, Ausrüstung, Transport, Eintritt und Snack kosten in der Regel 120 Dollar.

Ich habe meine Tauchgänge bei Motmot Diving gebucht und es nicht bereut. Die Ausrüstung war perfekt in Schuss, die Tour gut organisiert, alles lief wie am Schnürchen. Da ich keine Unterwasserkamera besitze, stammen auch die Bilder für diesen Post von Motmot Diving.

Schnorcheln lässt sich gut ohne Führer. Allerdings eignen sich nicht alle Cenoten gleichermaßen. Sehr schön zum Schnorcheln war die Bat Cave in Dos Ojos. Ausrüstung kann man vor Ort leihen (50 Pesos pro Gegenstand, wobei Maske und Schorchel als eines zählen). Nehmt den Minibus von Tulum in Richtung Playa del Carmen und lasst Euch bei Dos Ojos absetzen. Vom Eingang ist es allerdings noch ein gutes Stück, etwa zwei Kilometer Piste, die man laufen muss. 

In die Bat Cave darf man offiziell nur mit einem Führer. Ein Schild in der Höhle weist darauf hin. Eine andere Frage ist, wer sich Führer nennen darf. Manche sind bloß Padi Open Water Diver, andere haben überhaupt keine formale Qualifikation; sie sind bloß schon öfter hier getaucht. Ich behaupte, dass das Schild vor der Bat Cave nur deshalb angebracht wurde, um mehr Geld zu machen, und würde es einfach ignorieren. Weder ist der Weg in die Höhle schwer zu finden, noch gibt es sonst einen Grund, fürs Schnorcheln hier einen Führer zu buchen. Aufpassen muss man nur mit den Stalagtiten, die beim Eingang zur Höhle sehr dicht an die Wasseroberfläche heranreichen.

Dos Ojos ist sehr beliebt und oft überlaufen. Kommt früh am Morgen, dann habt ihr die Höhle für Euch. Die Cenote öffnet schon um 7 Uhr.  Die meisten organisierten Schnorchel- oder Tauchtrips starten um 8 oder 9 Uhr in Tulum.

2 Comments

  1. Doris

    Total interessant und tolle Bilder! Da würde ich auch gerne mal tauchen. Ich hab´ an der Küste von Yucatan vor vielen Jahren schnorcheln gelernt aber von den Höhlen wussten wir damals noch nichts. Weiter viel Spaß!

  2. Dedicated server

    Bitte beachten Sie, dass die Beschreibungen der Ausfluge Beispiele sind. Anderungen sind vorbehalten.