Nachts in Managua

Über Managua hört man viel. Und selten Gutes. Selbst Nicaraguaner beschweren sich über ihre Hauptstadt. Viel zu gefährlich! Und ich erreiche Managua ausgerechnet am späten Abend. Als mein Flieger landet, ist es stockdunkel.

Zehn US-Dollar kostet die Einreise, zu zahlen in bar. Der Flughafen ist viel kleiner, als ich vermutet hatte, und das Gepäck rollt schon nach ein paar Minuten auf dem Band heran. Hinter der automatischen Schiebeglastür drängeln sich bestimmt hundert Menschen, die ungeduldig auf Freunde oder Verwandte warten. Auf mich wartet niemand.

Kaum bin ich durch die Gepäckkontrolle und die Glastür, quatscht mich ein Taxifahrer an und heftet sich an meine Fersen. Ich versuche, besonders zielstrebig auszusehen, und laufe doch ziellos durch den Flughafen. Der Taxifahrer lässt sich nicht abschütteln.

Nicht einmal eine Hotelreservierung habe ich. Die Touristeninformation, die mir helfen könnte, ist schon geschlossen. Überhaupt ist hier nicht mehr viel los. An einer Bar lässt gerade jemand die Rollläden herunter. Von draußen dringt die Hitze ins Gebäude, es sind noch immer 27 Grad.

Gleich gegenüber dem Flughafen gibt es ein Best Western. Gäste mit Reservierung werden von einem Fahrer abgeholt und die paar Meter zum Hotel gebracht. So viel Service hat seinen Preis. Eine Nacht soll 93 Dollar kosten. Ich verzichte.

Der Taxifahrer hat mich mittlerweile an einen Kollegen weitergereicht, das funktionierte quasi im Vorbeigehen mit einer Geste. Es scheint ein ausgeklügeltes System zu sein. Der Kollege folgt mir in respektvollem Abstand und lässt mich nicht aus den Augen, als ich eine Dame, die ein Telefon bewacht, überrede, für mich ein Hostel in der Stadt anzurufen. Mein Reise-Handy, ein altes Nokia, funktioniert in Amerika nicht. Der Fahrer beobachtet auch, wie ich aus dem Geldautomaten zuerst 60 Dollar und dann 300 Córdobas ziehe. Vermutlich reibt er sich da schon die Hände, denn 20 Dollar wird er dem Deutschen gleich wieder abnehmen.

Das ist natürlich viel zu teuer. Ich könnte ein paar Schritte in die Dunkelheit machen, mich auf der anderen Straßenseite aufstellen und ein Taxi heranwinken. Ich würde einen viel besseren Preis bekommen. Der Fahrer würde auf dem Weg zu meinem Hostel mehrmals stoppen, um weitere Fahrgäste aufzulesen. Aber nachts mit einem Taxi „publico“ zu fahren, wie das hier heißt, davon wird ausdrücklich abgeraten. Außerdem bin ich müde, habe einen Flug von siebzehneinhalb Stunden hinter mir, und mein Spanisch ist nicht, wie man so schön sagt, „verhandlungssicher“. Ich spreche ja bloß ein paar Brocken. Also zahle ich die 20 Dollar und steige ein.

Nach zwanzig Minuten erreichen wir das Hostel. Es ist abgesichert wie ein Tigerkäfig. Als ich an der Kette mit dem Vorhängeschloss rüttele, tritt jemand aus dem Halbdunkel und öffnet. Ich bin heute der einzige Gast.

1 Comment

  1. Hefina

    It sounds as if you have to have all your wits about you to get on